Mein Malen
Eine Idee, seit ein paar Tagen ist sie in mir, fängt meine Gedanken ein, holt mein Gefühl aus dem Bauch, zeichnet mir ein inneres Bild vor die Augen, lässt es verschwinden, neu erscheinen, wechselt Farben aus, erneuert dies und das.
Sie keift mit mir, schimpft mich Zögerling, ist mit mir unzufrieden, lacht über meine momentane Hilflosigkeit und treibt mich vor sich her, hinein in das Tun.
Zwei, drei Tage, dann beginne ich die Idee zu besiegen. Genussvoll sprühe ich Wasser auf die Aquarellfarben, bis sie mich beinahe lebendig anglänzen. Noch liegt das Blatt in seinem Weiß unberührt auf dem Malbrett. Meine Hand streicht liebevoll über die gebundenen Pinselhaare, das Bild der Idee ist jetzt deutlich in mir.
Automatisch nehme ich den dicken Pinsel, den der faul und bequem im Behälter steht, wecke ihn durch ein Bad im klaren Wasser. Grün, ein scharfes Grün drängt sich auf, der Pinsel gleitet in die Farbe berührt das erste Mal das Papie, zerstört das jungfräuliche Weiß. Die Lust am Malen nimmt mich fest in ihre Fänge, die Emotion erwacht, der Kampf gegen die Idee, gegen ihre freche Lebendigkeit in mir äußert sich in einem schnellen Strich, der Stängel ist festgelegt, die Blätter, der Blütenkopf folgen, nur Umrisse auf dem Papier. Das Grün ist zu hart, zu scharf, ein wenig gelb hinzu, Rot, Karminrot um die Umrisse, die Farbe meiner Emotion, dazu das Licht von Indischgelb, schon entsteht Wärme auf dem Bild.
Jetzt führt mich nur noch mein Gefühl, meine Ergriffenheit von dem Motiv, von dem Wollen, die Idee zu bannen, ihr keine Chance auf ihre Wechselspielchen mehr zu lassen. Ich schöpfe aus mir, Orange in den Blütenkopf, konturiere mit Schwarz, nochmals drüber. Abgrenzungen des Motivs gegen seinen roten Hintergrund in dem es liegt, auf dem es zu leben beginnt.
Ein flacher Pinsel trägt reines Wasser über das Vorhandene, Zusammenläufe von Farben bilden sich, ich kann nicht aufhören, die Lust daran ist lebendig in mir.
Der letzte Punkt der Idee ist noch zu verwirklichen, die Tränen der Sonnenblume. Weiß, ausgedünnt, fließt über die Blätter, über die Blüte, bildet Bäche von dünner milchiger Farbe, bleibt irgendwo stehen, bildet eine Träne.
Die Idee ist festgehalten und in mir verlöscht.
Signieren, Fotografieren, in den PC speichern, das Bild wegräumen. Nebenarbeiten, belanglose Tätigkeit am Rande des Schöpfens.
Das fertige Bild ruft kein Interesse mehr wach, malen ist alles. Malen, das ist, wenn die Leidenschaft in die Tageszeit eindringt und diese unwesentlich macht, wenn der Bauch die Farben wählt und die Hand sich dem Gefühl ergibt, wenn die Pinsel sich tanzend auf dem Papier bewegen, wenn die Außenrealität sich im Abseits des Sehens befindet und sich eine neue Realität in der Leidenschaft und Emotion des Bildes erschafft. Ja das ist Malen, mein Malen, so male ich, anders kann ich es nicht.
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oberlel - 29. Apr, 12:50



















